Sr. Marianne antwortet auf die Fragen der Sonntagsblatt-Redaktion

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Ordensfrau geworden sind?
Es war die Suche nach einem sinnerfüllten Leben. Ich schwankte zwischen Familiengründung und einem geistlichen Weg. Als ich im Haus der Barmherzigkeit in Graz die Barmherzigen Schwestern kennenlernte, hat sich die Richtung gezeigt.
Sie vermittelten mir die Kraft des Gebetes, die Stütze der Gemeinschaft und  ein erfülltes Leben durch die Hingabe an Hilfsbedürftige.

Berufung – wie fühlt sich das an, wie merkt man das?
Glaube ist ein Geschenk. Auch Berufung sehe ich als reines Geschenk. Im Glauben ist frohes Vertrauen. Im Glauben liegt ein Glück, das wie eine Knospe aufblühen will. Dazu bedarf es der Mitwirkung des Menschen.

Schon im Elternhaus konnte ich einen Schimmer davon spüren. Diese Erfahrung hat sich nach längerem Suchen verstärkt und somit konnte ich diesen Schritt setzen, mich einer geistlichen Gemeinschaft anzuschließen.
Es war keine leichte Entscheidung. Ich spürte eine innere Gewissheit, die ich BERUFUNG nennen möchte. Nun, nach über 50 Berufsjahren, kann ich aus innerster Überzeugung sagen, dass ich „mein Glück“ gefunden habe.

 

Sind die Menschen heute zu abgelenkt, um das zu spüren bzw. diese Berufung zu erkennen?
Ich glaube ganz fest daran, dass Gott auch heute Menschen in seine engere Nachfolge beruft. Dazu braucht es hörende, mutige Menschen. Von uns soll das Zeugnis authentisch gelebter Berufung ausgehen.

Manches wird sich in Zukunft an der Lebensweise in den Ordensgemeinschaften verändern. Tief im Glauben Verwurzelte, von der Liebe Gottes Ergriffene.

Wie ist das Leben einer Ordensfrau – (Tagesablauf), Aufgaben, und hat man auch mal Urlaub?
Es ist nicht immer einfach, die rechte Balance zwischen Gebet, Dienst und Gemeinschaftsleben zu finden. Mein Dienst als Religionslehrerin, als Verantwortliche in der Ordensausbildung und bei der Mitwirkung in der Provinzleitung, sowie der Dienst in der Krankenhausseelsorge erfüllte mich und war gleichzeitig herausfordernd.

Derzeit sind mir 40 Schwestern anvertraut, für sie will ich da sein, sie begleiten und für sie sorgen. Meinen Auftrag sehe ich als „Hirtendienst“.Unser Tagesablauf sieht gemeinsame Zeiten vor, um die Gottesbeziehung zu pflegen.

Das Bild vom Weinstock und den Reben und der Brunnen, der nur Wasser geben kann, wenn es eine Quelle gibt, scheinen mir treffend für eine gelebte Gottesbeziehung.

Diese Verbindung war und ist mir sehr bedeutsam, denn: Unsere Lebensregel ist Jesus Christus.Bezüglich der Urlaubsfrage:Jede Schwester hat im Jahr 3 Wochen Urlaub. Manche zieht es in die Bergwelt, andere bevorzugen das Schwimmen, wieder andere verbringen Zeit bei ihrer Familie oder suchen sich andere Möglichkeiten der Erholung, je nach Bedürfnis.

 

Ist das Leben als Ordensfrau immer schön oder auch mal schwierig?
So wie das Leben allgemein verläuft, denke ich. Es gibt schöne, glückliche Zeiten. Es gab und gibt auch Herausforderndes sowohl im Gemeinschaftsleben als auch im Dienstbereich und in der Begegnung mit Leidtragenden.
Die Verbundenheit mit Gott, und das innere Glück wandeln die Schwierigkeiten, die der Alltag mit sich bringt.

Hadert man manchmal mit Gott? Und falls ja – was macht man dann?
Wenn ich mit schweren Schicksalsschlägen konfrontiert werde, dann klage ich, ja hadere ich mit Gott. Wie kannst Du, Gott, dies oder jenes zulassen?
Und ich weiß, darauf bekomme ich keine befriedigende Antwort. Es ist und bleibt ein GEHEIMNIS.  
Mir ist wichtig, an den schmerzvollen Situationen Anteil zu nehmen und sie im Gebet mitzutragen. Oft sind mir die leidtragenden Menschen ein Vorbild, wenn sie in schmerzlichen Situationen trotz allem einen Sinn darin finden können.

Ein Ausspruch unseres Ordensgründers, des hl. Vinzenz von Paul, kommt mir oft behilflich in den Sinn:

„Gott vergisst nie, uns zu helfen, wenn die Zeit da ist.“